Die Menschheit mag bereits viele Wunder der Natur besiegt und entschlüsselt haben, was leider noch nicht die Notwendigkeit die eigenen vier Wände selbst zu streichen miteinschließt. So stellt sich bei jedem Wohnungswechsel die Frage, welche Produkte für die verschiedenen Räume verwendet werden müssen. Dieser Missstand ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Hersteller ihre Anwendungstipps recht allgemein halten. Dabei weisen die unterschiedlichen Wandfarben zum Teil diametral entgegengesetzte Eigenschaften auf und sollten definitiv nicht an der falschen Stelle angebracht werden. Der folgende Artikel beschäftig sich ausführlich mit der Anwendung herkömmlicher Feuchtraumfarben, deren Vorzügen als auch ihrer Nachteile.

Feuchtraumfarbe: Das beste Produkt für Bad und Küche?

Ständig feuchte Räume verlangen ihrer Wandfarbe eine besonders hohe Widerstandsfähigkeit ab, welche herkömmliche Wandfarben selten aufweisen. Schließlich reichern sich in der Küche und im Bad, selbst bei sorgfältigster Reinigung, Schmutz und Dampf an, was bei einer normalen Wandfarbe schnell zu schimmeligen Flecken führen würde. Zusätzlich tritt in der Küche noch die Problematik auf, dass sich ein gewisser Fettanteil im Dampf befindet, der in Kombination mit dem geringen pH-Wert von Standardfarben einen regelrechten Nährboden für Pilze bildet.

So wurden für diese speziellen Einsatzorte Feuchtraumfarben entwickelt, die Feuchtigkeit und Schmutz zuverlässig abstoßen. Zudem schützen sie die Wand dauerhaft davor, erneut zu stark durchfeuchtet zu werden. Dazu sollte die Farbe, entgegen der üblichen Vorgehensweise, allerdings nicht direkt auf die Tapete aufgetragen werden, solange sie aus Papier oder Raufaser besteht. Denn damit würde der positive Effekt der Feuchtraumfarbe teilweise wieder ausgeglichen. Daher ist die Farbe im Idealfall direkt auf die Wand zu streichen, zur Not lässt sie sich aber auch mit einer Tapete auf Kunststoffbasis kombinieren, wie zum Beispiel Vinyltapeten. Aus rein optischen Gründen muss dies jedoch nicht geschehen, da sich die heutigen Produkte anhand ihrer breiten Farbpalette mittlerweile nahtlos in ihre Umgebung einfügen.

Schimmelige Wände: Ihre Ursachen und wirkungsvolle Gegenmaßnahmen

Viele Wandfarben werden auf Kalkbasis produziert, wodurch sie ausgesprochen atmungsaktiv sind und über einen hohen pH-Wert verfügen. Aus diesen Gründen preisen deren Hersteller sie gerne als Anti Schimmel Farbe an, was sich in der Praxis jedoch als Trugschluss herausstellt: So verfliegt der zu Beginn hohe pH-Wert der Kalkfarben recht schnell, womit auch der natürliche Schimmelschutz verlorengeht. Und dieser tritt vor allem in Räumen auf, die eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit aufweisen, weshalb Küchen und Badezimmer sehr häufig von dem Problem betroffen sind. Darüber hinaus finden die Pilze geeignete Umgebungsbedingen vor, wenn Wohnräume zu selten gelüftet werden oder eine sehr breit ausgeführte Isolierschicht nur wenig Luftaustausch zulässt. Die Folge ist wiederum eine erhöhte Luftfeuchtigkeit, was den Pilzen direkt in die Hände spielt. Schließlich besteht bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von über 85% die größte Wachstumschance für Schimmelpilze. Durch regelmäßiges Lüften wird dieser Wert auf 35 – 65% gedrückt, was sehr ungünstige Lebensbedingungen für Mikroorganismen darstellt.

Sollten die sich aber bereits ausgebreitet haben, nützt selbst die taktisch geschickteste Lüftungsfrequenz nichts mehr. An diesem Punkt wird man um Gegenmaßnahmen nicht herumkommen, die zunächst darauf abzielen, den Pilzen die angereicherte Feuchtigkeit zu entziehen oder diesen direkt abzutöten. Hierzu haben sich Reinigungsalkohol (mind. 70%) oder Chlor als wirkungsvolle Mittel erwiesen. Als geeignetes Hausmittel setzten viele auch auf Essig. Das entsprechende Mittel sollte großflächig auf die befallenen Stellen aufgetragen werden und über längere Zeit einwirken, woraufhin der Schimmel recht schnell absterben sollte. Falls diese Methode nicht wirkt, führen Baumärkte aber noch sehr stark konzentrierte Spezialreiniger, mit denen sich das Problem restlos beseitigen lässt.

Die Wirkungsweise und Vorteile von Feuchtraumfarben im Detail

Die meißten Feuchtraumfarben erzielen ihre schimmelabweisende Wirkung dadurch, dass sie beim Herstellungsprozess mit Fungiziden oder Bioziden versetzt werden. Daneben haben sich aber auch Produkte auf dem Markt etabliert, die aus speziellen mineralischen Inhaltsstoffen bestehen. Solche Mineralfarben setzen am entgegengesetzten Punkt des Problems an: Sie regulieren den Feuchtigkeitsgehalt der Wand und halten sie damit auf umweltfreundliche Weise beständig trocken. Die restlichen Bestandteile von Feuchtraumfarben entspricht denen herkömmlicher Wandfarben: Sie bestehen weitgehend aus Wasser, dem ein Bindemittel und Farbpigmente hinzugefügt werden.

Heutige Feuchtraumfarben bieten aber auch über ihren primären Verwendungszweck hinaus zahlreiche Vorteile. So wurden sie früher lediglich in weißer Ausführung produziert, was sich in den letzten Jahren jedoch deutlich geändert hat: Sie sind nun in fast jedem Farbton erhältlich, wodurch man seiner Küche bzw. dem Bad einen ganz eigenen Stil verleihen kann, ohne extra Tuben zum einfärben zukaufen zu müssen. Dies macht sich nicht zuletzt bei den Kosten bemerkbar, die nur noch leicht oberhalb klassischer Wandfarben liegen. Ein weiterer Pluspunkt der Feuchtraumfarben verbirgt sich in ihrer Eigenschaft, sehr wasserfest zu sein. So halten die meisten heutigen Produkte selbst heftigen Schrubbvorgängen stand, was von der EN-Norm 13300 auch ausführlich verlangt wird. In Bezug auf deren Abriebbeständigkeit wurden Wandfarben dort in mehrere Kategorien eingeordnet, wovon die Klassen I und II für Bad und Küche geeignet sind. Außerdem ist zu erwähnen, dass führende Malerbetriebe die leichte Handhabung der Farben zu schätzen wissen. Damit bereiten sie heutzutage beim Auftragen oder Überstreichen keinerlei Schwierigkeiten.

Folgende Aspekte sind vor dem Kauf von Feuchtraumfarbe zu berücksichtigen

Der erste Punkt, den es zu beachten gilt, betrifft die Abriebbeständigkeit. So erfüllen zwar die meisten Feuchtraumfarben die EN-Norm 13300, allerdings befinden sich auch ein paar schwarze Schafe auf dem Markt, denen entsprechende Kennzeichnungen fehlen. Doch da die Farben in der Küche und dem Bad zahlreichen Putzvorgängen widerstehen werden müssen, ist diese Eigenschaft unabdingbar.

Zudem sollte nicht unbedingt das günstigste Produkt erworben werden, da deren Hersteller gerne an der Langzeitwirkung des Schimmelschutzes sparen. Demnach hätte man auf diese Art sogar höhere Kosten als bei einer hochwertigen Farbe, da der Anstrich viel häufiger erneuert werden müsste.

Im Kern gilt es vor dem Kauf allerdings sicherzustellen, dass es sich auch tatsächlich um Feuchtraumfarbe handelt. Denn schließlich findet man in Baumärkten auch häufig erstaunlich günstige Produkte, die als „Antischimmelfarbe“ oder „Schimmelschutzfarbe“ deklariert wurden. Dabei handelt sich allerdings ausnahmslos um herkömmliche Wandfarben, denen pilzabtötende Konservierungsstoffe hinzugefügt wurden. Diese Fungizide dünsten gleichmäßig aus dem Anstrich aus und verhindern dadurch Schimmelbildung an und in der Wand. Der Haken an der Sache: Bei den Farben werden hauptsächlich umweltschädliche Fungizide, zuweilen sogar bedenkliche Giftstoffe verwendet, die Allergien auslösen und die Gesundheit der Bewohner erheblich gefährden können, wenn sie in die Raumluft gelangen.

Ansonsten gilt es, die Ergiebigkeit der Farben miteinander zu vergleichen. Die meisten Hersteller bieten ihre Ware in einem 10-Liter-Eimer an, womit sich 50 – 80 Quadratmeter streichen lassen. Die Ergiebigkeit legt darüber hinaus fest, wie hoch die Deckkraft der Farben ist. Sie wird in Stufen von 1 bis 4 eingeteilt, wobei 4 die niedrigste (unter 95%) und 1 die höchste (mindestens 99,5%) davon repräsentieren. Der Glanzgrad wiederum ist eine Eigenschaft der Farbe, die mit der Ergiebigkeit zusammenhängt. Er beschreibt, wie stark der Anstrich externe Lichtquellen reflektiert, wozu zunächst eine entsprechende Deckkraft gegeben sein muss. Bei Feuchtraumfarben wird daher zwischen matt und seidenglänzend entscheiden.